Oktober 20, 2020

Debatte: Heutzutage ‘Links’?

Warum erreicht “Die Linke” nicht mehr Stimmen?

von Michael Menzel

Ich weiß sehr wohl, was ‘Links’ für mich bedeutet. Aber wenn ich in den Nachrichten lese oder höre, was ‘Linke’ oder ‘Linksextreme’ wieder Schlimmes gemacht haben, dann zucke ich doch immer wieder mal zusammen und denke   “Nein, dieses ‘Links’ ist nicht meins.” Oder aber es kommt ein Gedanke wie folgender in mir auf:  “Denken andere jetzt, dass ich auch SO ein ‘Linker’ bin?”

Vielleicht ist es dem ein oder anderen von Euch, von Ihnen auch schon mal so gegangen? Oder sind wir Linken tatsächlich alle die ‘radikalen Steineschmeißer’, die ‘Autoanzünder’  oder wie jetzt aktuell (angeblich) die ‘Journalistenverprügler’? Also ich jedenfalls nicht!

Aber worauf ich eigentlich hinaus möchte ist, dass Gedanken in dieser oder einer ähnlichen Art und Weise vielleicht auch etwas mit dem Wahlverhalten vieler Menschen zu tun haben!? Vielleicht hängt das relativ schlechte Abschneiden von “Die Linke” bei Wahlen ja auch damit zusammen. Aber wie kann man >solche< Gedanken/ Vorstellungen wieder in die tatsächliche Wahrheit zurück verwandeln? Wie kann man ein vorgefertigtes Meinungsbild verändern? Wie ist das mit dem Denken an Begriffe oder Schlagwörter überhaupt?

Ich glaube, so ziemlich jeder denkt mehr oder weniger oft in ‘Schubladen’. Beispiel: Wenn man also hört. dass jemand sagt, dass er…

…>>>Rechts<<< ist  =  dann ist er ein Nazi, ein Rassist, ein Ausländerhasser – dann ist er einfach nur Sch….!

…>>>Links<<< ist  =  dann ist er ein Kommunist, will er die DDR zurück, will er den Reichen alles wegnehmen und das schon weiter oben bereits erwähnte.

Ja, das sind alles Klischees. Aber treffen die immer und auf jeden zu? Das würde doch auch bedeuten >Rechts< + >Links< sind gleichermaßen Mist und nur die >>>Mitte<<< ist gut!? Ist das so? Das, was sich bei uns als >Mitte< etabliert hat, ist doch, meiner Meinung nach, nur noch die Gier nach Macht, die Gier nach Reichtum, nach immer mehr Reichtum, nach immer mehr Macht  – egal ob dabei Menschen leiden oder sterben müssen!

Aber wenn man es mal von einem anderen Standpunkt aus betrachtet und mal versucht das Positive zu sehen, dann ist…

…>Rechts<  =  doch auch Nationalstolz, der zeigt, dass man sich mit seiner Nation verbunden fühlt. Dies ist doch aber wohl grundsätzlich auch nichts Verwerfliches. Wir sind Deutsche. Wir leben gern in Deutschland. Deutschland hat viele tolle Menschen hervorgebracht und viele Deutsche haben beachtenswerte Dinge erfunden und getan.

…>Links<  =  doch auch ein menschliches Miteinander, eine soziale Gerechtigkeit für Jedermann und Frieden auf der Welt! Das sind doch, also jedenfalls für mich, wohl erstrebenswerte Ziele!

…>Mitte<  =  doch eigentlich das Neutrale. Also das Mittelding zwischen ‘Arm & Reich’, zwischen ‘National & Global’, zwischen Geben & Nehmen.

Was ich versucht habe aufzuzeigen ist, dass viele/ die meisten von uns schon eine bestimmte Vorstellung im Kopf haben, wenn sie etwas hören. Der Mensch ist halt so. Es ist wirklich schwer mit wenigen Worten zu sagen, wer oder was man ist und was man will und dabei dann zu hoffen, dass das Gegenüber es auch genauso verstanden hat.

Deswegen denke ich, dass es heutzutage mal wieder an der Zeit ist, klar und für jedermann verständlich darzulegen, was verstehen wir oder “Die Linke” unter >Links< und welche Ziele wollen wir erreichen. Dazu ist sicher viel Arbeit notwendig und es wird sicher mehrere  Vorträge und Diskussions-Runden dauern. Aber ich denke, es lohnt sich. Für uns alle!

Noch ein ‘kurzer’ Gedankengang, was ich mir unter >Links sein< vorstelle.

Für mich gehören Menschlichkeit und Gerechtigkeit in allen Belangen, mit bezahlbarem Wohnraum und gerechtem Lohn (Ein Vollzeitjob muss einen Menschen voll versorgen) für jeden genauso dazu, wie Bildung, Krankenpflege und lebenswerte Rente. Für mich ist der Frieden eine absolute Notwendigkeit. Aber für mich ist genauso wichtig mit Stolz sagen zu können “Ich bin ein Berliner”, “Ich bin ein Deutscher”, “Ich bin ein Europäer” oder “Ich bin ein Mensch” und ich will gerne in meinem Land leben, in dem auch jeder andere gut und gern leben kann. Arbeit soll sich lohnen und wer viel arbeitet soll auch viel erhalten aber selbst der “Geringste in unserem Land” muss auch lebenswert leben können.

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